Das Krokodil als Ballerina

Kornelius Friz | Kulturjournalist

Ängste gibt es viele. Die Angst, etwas zu verpassen. Die Angst vor Neuem. Die Angst vor dem Alter. Die Angst vor „Monstern, die die Zeit gebiert.“ Die Angst vor Dieben. Die Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen. Die Angst vor Überfremdung. Die Angst vor der Abschiebung. Die Angst des Torwarts beim Elfmeter. Die Angst vor dem Tod. Angst ist ein in der Vernunft begründetes Gefühl, das uns vor Gefahr warnt, zunächst also ein durchaus sinniges Grundgefühl. Vor „Monster Erlöser“ von der freien Theatergruppe „Voll:Milch“ müssen die Zuschauer allerdings keine Angst haben. Mit dem zweiten Teil ihres Monsterzyklus, der vergangenen Donnerstag Premiere feierte, zeigt das Performancekollektiv eine Auszeit von der Furcht.

Auch Monster gibt es viele. Ekaterina Trachsel rattert gleich zu Beginn des Stücks eine nicht enden wollende Liste herunter, ganz ähnlich der Aufzählung zu Beginn dieses Textes. Sie sitzt auf der nackten Theaterbühne im Pavillon Hannover. In aller Ruhe erstellt sie eine Enzyklopädie von ungeahnten Monstergattungen, „die in uns schlummern, Monster, die in anderen schlummern. Monster, die unter, hinter oder auf Einrichtungsgegenständen leben“. Jede Sehne ist gespannt, jede Silbe liebevoll gesprochen und offen für Bedeutungen, mit denen das Publikum die Monster anfüllt.

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Foto © Voll:Milch