Sag mal »Plattenbau«

Die Dialektfalle umschiffen sie auf Schwäbisch. Die Zonen-Elke in den Schimmeljeans bläst ihre Vorurteile mit süddeutsch weichen Konsonanten hinaus. Und die sind auch schnell zusammengefasst: Schiller und Goethe, der Thüringer Wald, der NSU, Klöße und Bratwurst. Das Besteck, mit dem das Kollektiv Wunderbaum unter der Leitung von Walter Bart das Eigene, das Heimische zerlegt, ist nicht besonders feingliedrig. Es ist aber durchaus geeignet, um ein touristisch-klischeehaftes Abziehbild des Landes mit thüringischen Realitäten abzugleichen und dabei das Eine dem Anderen zärtlich unterzuheben.

Animateure unter Druck

Sechs Darsteller*innen eines Freizeitparks, einer Vergnügungshölle, erholen sich hinter den Kulissen von ihrem stressigen Arbeitsalltag. Doch auch hier sind sie nicht gefeit vorm Punktesystem. Als Feedback- und Optimierungsmechanismus bringt es die Alleinunterhalter*innen gegeneinander auf. Der eine Frank hat zehn Punkte, und niemand weiß, weshalb. Der andere Frank hat nur einen bekommen und muss durch die Hölle der vermeintlich konstruktiven Feedbackrunde gehen. Alle wissen es besser, alle sind freundlich und eine – der Animations-Kloß – ist allen zu freundlich, geradezu unerträglich, aufdringlich, hemdsärmelig, so richtig freizeitparkmäßig freundlich. Kein Wunder, dass niemand Jenny die zehn Punkte gönnt, die auch sie vom „Best-Of-Thüringen“-Publikum bekommen hat. Aber es weiß auch niemand von den Wunden unter ihrem Kloßkostüm, wo Schweiß und Lycra ihr […]

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Foto © Joachim Dette