Kornelius Friz | Kulturjournalist

Der alternde Körper wird wieder mal nicht miterzählt

Judith Nagel hackt Holz. Die Tänzerin trägt dunkle High-Waste-Jeans und hat einen Blick wie aus Eis. In aller Ruhe spaltet sie ein Scheit nach dem anderen. Ihr Kreuz ist so breit, dass ihr Körper an eine Sanduhr erinnert. Schon wenig Schwung reicht ihr, um das Holz über die ganze Bühne splittern zu lassen. „Sheroes“ verschleudert sein stärkstes Bild gleich zu Beginn.

Die Residenz-Bühne in der Baumwollspinnerei Leipzig ist karg: der Raum tief, das hintere Ende von einer Wand aus engels­weißer Wolle definiert. Davor steht eine Handvoll Baumstämme. Nagel umgreift einen der Stümpfe, stemmt ihn voller Eleganz auf einen zweiten. Zwei Windmaschinen werden in Stellung gebracht. Erst jetzt kommen die anderen fünf Tänzerinnen dazu. Sie setzen sich dem Kunst-Sturm aus: Manchen schlagen ihre Haare ins Gesicht, andere Frisuren halten stand, als wären sie aus Wachs gegossen.

Das Schauspiel Leipzig hat den Choreografen Christoph Winkler für diese Produktion erstmals eingeladen. Das Ensemble, das er mit „Sheroes“ auf die Bühne bringt, ist von großer Diversität. Die Tänzerinnen haben nicht nur unterschiedliche Tanzbiografien, …

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Foto © Rolf Arnold