Müssen junge Künstler Verantwortung übernehmen?

Lope de Vega und Pedro Calderón de la Barca. Das sind die Namen, an denen nicht vorbeikommt, wer Madrid besucht. Doch in den Straßen und Museen sind die beiden Dramatiker des siebzehnten Jahrhunderts weitaus präsenter als in den Theaterhäusern der Hauptstadt, von denen es an jeder Ecke eines gibt. Nach Cervantes’ Nationalheld Don Quijote sind sie zwar verantwortlich für fast alles, was die spanische Theaterliteratur bis heute ausmacht. Ihre Klassiker wie „Fuenteovejuna“ oder „Das Leben ist ein Traum“ werden jedoch nicht mehr allzu oft gezeigt.

Zumindest Federico García Lorca, dessen bekannteste Tragödie „Bernarda Albas Haus“ 1945, erst neun Jahre nach Fertigstellung, in Buenos Aires uraufgeführt werden konnte, taucht bis heute vermehrt auf den Spielplänen auf. Mindestens ebenso prägend für die gegenwärtige Ästhetik und Dramaturgie des spanischen Theaters ist jedoch die amerikanische Texttheatertradition. Auch deshalb werden Autoren wie Tennessee Williams und Arthur Millerin Madrid nach wie vor gerne inszeniert.

Thomas Ostermeier als Vorbild

José Luis Arellano García ist sich bewusst, wer und was seine Arbeiten beeinflusst. Der Regisseur, aufgewachsen und ausgebildet in Madrid, hat in Washington D.C. schon Stücke von Lope de Vega und Lorca gezeigt, konzentriert sich derzeit aber vor allem auf zeitgenössische Stoffe. Wenn er nach Vorbildern gefragt wird, nennt er Simon Stephens und Thomas Ostermeier ebenso wie die über die Landesgrenzen hinaus weniger bekannten Lluís Pasqual und José Luis Gómez. Um auszuloten, ob es das eigene, das spanische im europäischen Theater überhaupt noch gibt, hat Arellano García im November 2018 mit „Barro“ (Schlamm) den Aufschlag zu einer Tetralogie gemacht, die die jüngere Geschichte und Gegenwart der Idee Europa nachzeichnet und auf die Aktualität ihrer Werte hin befragt.

Fünf Rotorblätter blasen Wind ins Publikum. Nicht nur das: […]

Weiterlesen auf Faz.net

Foto © David Ruano