Hinter den Statuen

Auf dem Gang beginnt „Meet Juliet, Meet Romeo“, mit Kopfhörern auf den Ohren. Es werden immer zwei Personen zur gleichen Zeit eingelassen. Während sie anhand eines Hörspiels mit plätschernden Piano-Sounds nach Verona getragen werden sollen, flüstert die eine Einlassperson zur anderen: „Im Theater will ich echte Menschen sehen. Das hier interessiert mich nicht, da könnte ich auch ins Kino gehen.“

„Meet Juliet, meet Romeo“ ist die zweite Arbeit, die die CyberRäuber beim Kunstfest Weimar zeigen, Regie führte Branko Janack. „Was ist das? Dass ich, was ich hasse, lieben muss?“, fragt Julia, noch bevor ich die nur scheinbar vorhandene, die virtuelle Realität (VR) betrete. Laut Programmblatt ist es ein 45-minütiges „virtuelles Theatererlebnis nach William Shakespeares ‚Romeo und Julia'“.

Zoom in! Obwohl ich die überschaubare Studiobühne des Deutschen Nationaltheaters Weimar betrete, lande ich in einem gigantischen Museumsbau voller Skulpturen und Gemälden bis unter die hohen Decken. Kaum habe ich Kopfhörer und VR-Brille auf, kommt die Amme auf mich zu. Sie überredet mich (als Julia), sie zum Maskenball zu begleiten, wo ich mit Paris verkuppelt werden solle. Obwohl sich das Kabel, das von meinem Hinterkopf wegführt, immer wieder zwischen meinen Füßen verheddert, bin ich sofort gefangen in der Welt dieses Museums. Dass sie nur in meiner Bildschirmbrille existiert, wird mir ständig vor Augen geführt, wenn die Körper der Figuren keine Rückseite haben oder beginnen, sich aufzulösen, sobald ich einen Schritt zur Seite mache. Doch die Illusion macht das nicht kaputt.

Liebesschwindel, Höhenangst

Mithilfe eines (gar nicht so selbsterklärenden) Controllers kann ich durch die Gänge des Museums springen. Sofort teste ich meine Möglichkeiten aus und springe in eine der Statuen. Ich habe eine Anomalie der Software erwartet und lande stattdessen in einer […]

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Foto © CyberRäuber