Im Helikopter zu Helios

Für ihren Göttergatten Iason, den Argonauten-Führer, hat Medea ihre Familie verraten und betrogen. Das Goldene Vlies haben sie ihrem Vater gestohlen und sich auf der Argo, einem sagenhaft schnellen Schiff, auf den Weg nach Korinth gemacht, wo sie zunächst Asyl finden. Nun muss und kann die „Medea“, die Intendant Roland May am Theater Plauen/Zwickau auf Kiel gelegt hat, keine Argo sein. Und kleine Schiffe müssen sich, so der Volksmund, stets am Ufer halten. Diese Produktion lässt sich allerdings auch mit größter Mühe kaum aus dem Brackwasser der Vogtländer Weißen Elster bewegen.

Ziellos steuert die Inszenierung nämlich von Kreons Verbannung der Medea durch ihren drastischen Rachefeldzug, bis sie einen am Ende ausspuckt, ohne dass Euripides‘ Tragödie etwas abgetrotzt, etwas angeheftet oder etwas aufgesetzt werden konnte. Schlimmer noch: Die Figuren werden allesamt zwar eindimensional gezeichnet, dabei aber ausladend und pastos aufgetragen wie mit der Malerrolle. Das geht schon los mit der Amme (Julia Hell), einer völlig überdrehten Unterschichts-Schnepfe, die sich den Überdruss am Leiden ihrer Herrin wohl nicht einmal selbst abnimmt.

Fremdes Fühlen

Und dann entspannt sich schon das ermüdende Wechselspiel zwischen der von allen verlassenen Medea (Else Hennig) und dem Chor der korinthischen Frauen, der zumindest das größte Übel noch abzuwenden sucht. Das Tragische hierbei: Es ist kaum zu unterscheiden, wer von beiden stärker auffällt. Ist es die Medea, geschminkt wie die Tochter eines traurigen Clowns und einer Gothic-Braut, die ihre wütenden Vorwürfe immer wieder gleich hinausbellt, um anschließend, so gemein sind diese Männer!, ihren Unterkiefer vorzuschieben? Oder wird sie doch vom Chor übertrumpft, der unpräzise artikuliert und unter Umständen auch seinen Text vergisst. Noch unglücklicher als die teils undeutliche Sprechweise stechen jedoch die klischeehaften Tunten heraus, die May den männlichen Chorsprechern als korinthische Frauen durchgehen lässt.

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Foto © Peter Awtukowitsch