Heimatmuseum im Bewegtbild

„Lausitzer Quartiere oder Der Russe im Keller“ heißt das Stück, das im vergangenen Jahr den zum ersten Mal von den Lausitzer Theatern in Cottbus, Senftenberg und Bautzen gemeinsam ausgeschriebenen Theaterpreis „Lausitzen“ gewonnen hat. Lutz Hillmann, Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen, der wie bislang alle in Bautzen aufgeführten Texte des Leipziger Autors Ralph Oehme auch diesen inszeniert hat, lässt es sich in einer Adresse ans Publikum vor der Aufführung nicht nehmen, „als Lokalpatriot“ die Einzigartigkeit dieser Theater-Kooperation zu betonen. Mit dem Senftenberger Intendanten Manuel Soubeyrand diskutiert er noch scherzhaft, ob die derzeitige Grippewelle das einzige sei, was Ober- und Niederlausitzer verbinde. Dann endlich kann es losgehen.

Wassermann

Das Stück besteht aus vier Einaktern und einem Nachspiel, alle spielen in verschiedenen Epochen, das Personal bleibt dasselbe: Ein Weber, seine Frau und ihre schöne Tochter müssen sich zu vier Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs (1813, 1918, 1945 und 1990) durch sämtliche Widerfahrnisse kämpfen, die ihre Heimat erschüttern. 1813, längst marodiert „der Franzose“ durch die Lausitz, verirrt sich ein russischer Soldat in den Keller der Familie, ausgerechnet einer mit Bart, gekommen auf einem Schimmel, gerade so, wie es die Tochter sich vom Wassermann gewünscht hat.

Der Wassermann, der Wodjanoi, ist eine bedeutende Figur in der sorbischen Sage, der sowohl für das Hochwasser verantwortlich ist als auch Helfer sein kann für diejenigen, die in der Spree zu ertrinken drohen, sofern es sich um hübsche Mädchen handelt wie die Weberstochter (Lisa Klabunde) eine ist. In Bautzen soll der Nix dem Publikum als Erzähler durch die eigentlich überschaubare Dramaturgie helfen. Mit gothic-schwarzen Augen, Undercut, lederner Kluft und bemüht rauem Bass zeigt der Wassermann (István Kobjela) die stets chronologischen Zeitsprünge anhand von holzschnittartigen Reimen (Haus, raus, …) an. Originell an dieser Figur, die der Autor erst im Nachhinein auf Wunsch des Theaters eingewoben hatte, ist einzig…

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Foto © Uwe Soeder