Hygiene, Schnitzel, Bier

Im August ist Theaterpause. Die Schauspieler fliegen in den Urlaub, die Regisseurinnen verziehen sich zum Denken in ihre dunklen Kammern. Das Publikum genießt es derweil, auch mal ohne schlechtes Gewissen zu Hause bleiben zu dürfen. Und die Bühnen der deutschen Theaterhäuser können sich erholen von einer weiteren Spielzeit voller Kunstblut, Laienchöre und Live-Videos.

Von Testosteron geprägte Männerfreundschaft

Doch zwei tragikomische Ausnahmen dieser Sommerpause gibt es. Eine davon wird diesen August uraufgeführt: Die Fehde um den Intendantenwechsel an der Berliner Volksbühne, der spätestens seit Petition und Shitstorm in sozialen Netzwerken zur Farce geworden ist. Die andere Ausnahme wird Jahr für Jahr auf vielen Bühnen gezeigt: Das Sommertheater unter freiem, zumeist aber verregneten Himmel, das den Ensembles die Theaterferien verhagelt und den zuhausegebliebenen Zuschauerinnen Abwechslung von Balkonien ermöglicht.

Das Sommer Hof Theater, wie es am Schauspielhaus Hannover heißt, zeigt die Tragikomödie „Indien“ von den österreichischen Kabarettisten Josef Hader und Alfred Dorfer von 1991. 1993 haben die beiden das Stück in die Kinos gebracht, mit sich selbst in den Hauptrollen, und wurden damit schlagartig bekannt. Der Tradition des alljährlichen Open-Air-Spektakels im Theaterhof folgend, hat der Hannoveraner Intendant Lars-Ole Walburg heuer diesen Stoff hervorgekramt, lediglich befreit vom österreichischen Schmäh des Originals.

Witze mit Bart

Kurt Fellner und Heinz Bösel vom Fremdenverkehrsamt reisen von Wirtshaus zu Wirtshaus, um diese auf Hygiene, Schnitzel und Bier zu prüfen. Bösel ist ein grantiger Biertrinker mit Halbglatze. Fellner dagegen kommt in seinen Turnschuhen ebenso dynamisch wie strebsam und bieder daher. Mit seinen spekulativen Erzählungen von fremden Völkern quält er seinen Kollegen, der nur das Nötigste über die Lippen bringt. Natürlich kommen die beiden einander allmählich näher. Nachdem Bösel es gelingt, in Anwesenheit Fellners zu scheißen, gehen die beiden sogar…

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Foto © Karl Bernd Karwasz