Das richtige Festival im falschen Leben

Das Popfestival ist tot. So lesen sich zumindest die Line-Ups der Etablierten wie Hurricane, Highfield oder Southside, die alle im Hause FKP Scorpio aus Hamburg zusammengestellt werden: Linkin Park, Kraftklub, AnnenMayKantereit und immer wieder Casper. Es sind überall die gleichen durch das Radio genudelten Headliner, die den Festivalsommer in Deutschland dominieren, übrigens auch bei der Konkurrenz wie etwa Rock am Ring. Das Publikum tut mit lustigen Tierkostümen, goldenen Glitzergesichtern und Biertrichtern sein Übriges, um Musikfestivals zu vereinheitlichen. Nicht erst seit das Modell der mehrköpfigen Band mit Gitarren in den Händen von der Bühne verschwindet und gegen den DJ hinter einem silbern glänzenden Laptop ausgetauscht wird, tendieren Festivals dazu, immer größenwahnsinniger und teurer zu werden, vor allem aber langweiliger.

Ein Gradmesser hierfür ist die mecklenburgische Fusion, die einstmals als nichtkommerzielle und vielseitigste Wundertüte in der Festivallandschaft gefeiert wurde, mittlerweile jedoch von tausenden trinktüchtigen Technotouristen überlaufen wird. Nach dem zwanzigsten Jubiläum setzten die Veranstalter in diesem Jahr erstmals aus. Doch während die konventionellen Anbieter der Wochenendevents es immer schwieriger haben, sich voneinander abzugrenzen und das eigene Angebot in Zeiten von Streaming- und Videoplattformen als einzigartiges Erlebnis zu vermarkten, nutzen kleine, oftmals kollektiv und ehrenamtlich gestemmte Festivals die Krise als Chance.

Das Ideal der lebenslangen romantischen Liebe

Die Verantwortlichen des Fuchsbau-Festivals zum Beispiel haben kurzerhand die Digitalisierung zum roten Faden ihrer sechsten Ausgabe gemacht, die vor wenigen Tagen in Lehrte bei Hannover über die verregneten Bühnen ging. Etwa dreitausend Gäste konnten dabei – ohne Datenempfang und WiFi – eine außergewöhnliche Vielfalt erleben. Mit seinem breiten Angebot an Filmen, Performances, Ausstellungen und Vorträgen ist das Fuchsbau längst mehr als ein Popmusikfestival.

Ob es so etwas wie „Fake Music“ gebe, wird zum Beispiel bei einer Diskussion zur Dehumanisierung künstlerischen Schaffens gefragt. „Kann Musik nicht wahrhaftig sein?“ lautet die Gegenfrage der DJ-Kunstfigur Born in Flamez, der anschließend von Emily Howell, einer Künstlichen Intelligenz erzählt, die „wirklich berührende klassische Musik“ herstelle, nachdem sie…

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Foto © Fuchsbau/Isabel Machado Rios