Auf Eroberungskurs

Kornelius Friz | Kulturjournalist

Der Auftritt des Rappers Mykki Blanco beginnt eigentlich erst mit dem zweiten Song, als er das Publikum zu sich auf die Bühne stürmen lässt. Das ist längst nicht der Höhepunkt seiner liebe- und druckvollen Performance. Das Fuchsbau-Festival hat in eine für Rapkonzerte ungewöhnliche Location geladen: in Hannovers herrschaftliche Herrenhäuser Gärten. „jmdn/etw. erobern“ ist der Titel der Veranstaltung.

Allein die Übernahme des barocken Großen Gartens durch die Macher des Festivals ist eine Eroberung, die in Niedersachsens Kulturlandschaft von Seltenheit ist. Ein Kollektiv, das sich vor fünf Jahren zusammengetan hat, um „mit einem Festival eine eigene Wirklichkeit in Hannover zu erschaffen“, wie es in der Auftaktrede der Performance pathetisch heißt. Schön, dass die Stadt ihren schmuckvollen Vorzeigepark dennoch zur Verfügung stellt, und umso ungewohnter, dass die Fuchsbau-Leute sich diesen Ort der Macht und der Traumhochzeiten tatsächlich zu eigen machen wollen.

Macht ist auch das Thema, um das sich die Performance dreht, die eigentlich eine Art Planspiel ist. Die Gäste werden anhand von Auftragskarten in einzelne Lustgärten geschickt. Dort warten kleine Szenen auf die Besucher, die immer wieder eingreifen müssen: „Sei ein gutes Publikum! Leide mit!“, steht auf einer der Karten, die die Spiellaune der Gäste allerdings nur mäßig in Schwung bringt.

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Foto © Kornelius Friz