Tanze Samba die ganze Nacht

Berlin hält dieses Album nicht zusammen. Es seien zwar „musikalische Postkarten aus dem Berlin von heute“, die Haaksman auf seinem dritten Studioalbum „With Love, from Berlin“ veröffentlicht habe, heißt es. Doch der Musiker und DJ bestimmt die Hauptstadt, wenn überhaupt, ex negativo. Das Etikett „Berlin“ als Zentrum kreativer Fluktuationsbewegungen ist dabei verzichtbar, im Grunde nutzt er es vor allem zur Vermarktung. Viel interessanter als der vielbesungene Ort der künstlerischen Zusammenkunft von Haaksman und seinen musikalischen Gästen sind die Einflüsse, die diese mitbringen.

Die kommen nämlich aus aller Welt. Sie sind alles, was Berlin nicht ist. Und anders als im Pop mittlerweile oftmals vorgeführt, sind die musikalischen Spielarten, die der Produzent zu neun Songs verwebt, hier nicht ortlos. Man hört ihnen ihre Herkunft an, ihr Reisen, ihre Ruhelosigkeit. War Daniel Haaksman für seine letzte Platte „African Fabrics“ noch selbst unterwegs in Mosambik und Angola, hat er sich selbst nun nicht mehr fortbewegen müssen aus seiner Wahlheimat, der Kreativstadt, der Weltstadt, wo angeblich alles ineinander fließe, was zunächst nicht zusammengehörte.

Ob das stimmt, ist fraglich, wo doch so viele Bilder von Berlin auch nebeneinander und gegeneinander laufen. Etwa die Bilder der Touristen, die sich von denen der Künstler unterscheiden, die sich von denen der einheimischen Künstler unterscheiden. Haaksman ist selbst eine Ansammlung verschiedener Rollen, vom Kurator für zeitgenössische Kunst über den Produzenten und den Musikjournalisten bis zum DJ. Das Multitalent hat eine Assemblage erschaffen, die einem die Illusion vom Schmelztiegel Berlin tatsächlich glaubhaft macht.

Anders als in den nuller Jahren, als er vom Remixen, Samplen und Kompilieren in Zusammenarbeit mit Shantel für das gemeinsame Essay Label mit der Zeit zu seiner eigenen Musik fand, klingt „With Love, From Berlin“ nun nicht mehr nach Balkan-Party oder sogenannter „Weltmusik“, übersetzt in westlich-urbanen Elektro. Wie viel Feingefühl diese Balance erfordert, belegt die Masse an Genres und Subgenres, die hier virtuos verquarkt sind: In einzelnen Songs kombiniert Daniel Haaksman Baile Funk, den er einst selbst umgedeutet hat, mit Dub, Afrobeats und selbstverständlich Trap, dessen Sound derzeit auf kaum einer Popplatte mehr fehlt. Neben der vielen globalen Perspektiven, die Haaksmans Tracks bestimmen, prägen auch sein drittes Album wieder […]

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Foto © Lukas Gansterer